ZDF-Langzeitstudie zur Mediennutzung und Lebenswelt in Corona-Zeiten / Thomas Bellut: „Programmvielfalt als Schlüssel zur Gesellschaft“

Mainz (ots) – Seit rund einem Jahr lebt Deutschland mit und in der Corona-Pandemie – und seit dem Beginn der Krise hat das ZDF in regelmäßigen Abständen die Menschen zu ihren Einstellungen und Sorgen, aber auch zu ihrem Lebensalltag und ihrer Mediennutzung befragt. Dabei wird deutlich, wie wichtig die Öffentlich-Rechtlichen als Informationsquelle für die Befragten sind, wie bedeutsam in der Krise aber auch die Unterhaltung durch Medien ist. Zugleich zeigt sich in den Ergebnissen, wie sehr die unterschiedliche Betroffenheit durch die Krise die Einstellungen und auch das Mediennutzungsverhalten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen prägt. So haben etwa Eltern, die Kinder zu Hause und zum Teil im Homeschooling betreuen müssen, völlig andere Bedürfnisse und Erwartungen an Medien als Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, oder solche, die durch die Krise in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit geraten sind. Die Generation Z, also 14- bis 29-Jährige, sowie Menschen, die an der Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen zweifeln, nehmen die Rolle der Medien in der Pandemie wieder unterschiedlich wahr. Die Unterschiede zwischen diesen Gruppen zeigt die Langzeitstudie auf, die das ZDF gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut phaydon durchgeführt hat.

„Die Studie belegt die Relevanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Coronakrise und zeigt, wie wichtig die Programmvielfalt des ZDF für die Gesellschaft ist. Denn mit unserem differenzierten Angebot können wir die unterschiedlichen Zielgruppen mit ihren ganz besonderen Bedürfnissen erreichen und gleichzeitig die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen“, so ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut.

Dabei zeigt sich ein vielschichtiges Bild. Nach einem Jahr Pandemie ist die Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung im März 2021 zwischen Lockerungen, Maskenskandalen, AstraZeneca-Impfstopp und dessen Wiederzulassung und dritter Welle angespannt. Im Umgang mit der Krise kommt den Medien eine besondere Bedeutung zu – wichtig ist hier vor allem die Informationsfunktion. Gerade die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen rund um Corona wird von den Befragten geschätzt: 58 Prozent der Befragten gaben im März 2021 an, dass Nachrichten von öffentlich-rechtlichen Sendern für sie eine wichtige Quelle für verlässliche Informationen zur Pandemie seien – nur bei 17 Prozent ist das nicht der Fall. Lediglich die Zugangswege der Zielgruppen unterscheiden sich. Sind für die Generation Z Instagram oder YouTube überdurchschnittlich wichtige Plattformen für ZDF-Inhalte (YouTube: 36 Prozent, Instagram 24 Prozent), sind es über alle Gruppen hinweg auch weiter hauptsächlich die linearen Kanäle (83 Prozent). Doch auch Unterhaltung und Erholung sind wichtige Aspekte der Mediennutzung in Pandemiezeiten. So erwarten 61 Prozent der Befragten von den Öffentlich-Rechtlichen, dass sie Inhalte bieten, bei denen die Zuschauerinnen und Zuschauer zur Ruhe kommen und entspannen können. 74 Prozent von ihnen sagen, sie seien froh, beim Schauen von Serien und Filmen nicht an die alltäglichen Corona-Einschränkungen erinnert zu werden.

Dieser breiten Erwartungshaltung wird das ZDF mit seiner Programmvielfalt überwiegend gerecht – auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen. Für die Generation Z bieten Comedy, Satire (53 Prozent, insgesamt: 36 Prozent) oder funk-Formate gern gesehene Ablenkung im teils eintönig erlebten Alltag. Eltern, die durch die Kinderbetreuung gerade besonders gefordert sind, schätzen die Angebote für Kinder, die mediale Ruhepausen mit gutem Gewissen ermöglichen (Kindersendungen 52 Prozent; insgesamt: 21 Prozent / Bildungsinhalte für Schüler*innen: 54 Prozent; insgesamt: 27 Prozent). Gleichzeitig informieren sie sich über Corona-Sondersendungen (63 Prozent; insgesamt: 46 Prozent) oder die heute-App (26 Prozent; insgesamt: 12 Prozent) über die aktuellen Maßnahmen. Bei Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, sind vertraute Unterhaltungsangebote nach einem fordernden Arbeitstag von hoher Relevanz. Hier punktet das ZDF mit Spiel- und Fernsehfilmen sowie mit Dokumentationen, die in andere Welten mitnehmen. Diese Zielgruppe schöpft zudem daraus Kraft, dass sie ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise in den Reportagen und Magazinen des ZDF wertgeschätzt sieht.

Die Gruppe der Zweiflerinnen und Zweifler (15 Prozent der Befragten), also Menschen, die an den Maßnahmen der Bundesregierung oder an dem kommunizierten Ausmaß der Pandemie zweifeln, schauen dagegen sehr differenziert auf das ZDF: Während sie das Informationsangebot des ZDF durchaus nutzen, hinterfragen sie es oft. Gleichzeitig werden gerade fiktionale Angebote, wie beispielsweise das Montagskino, aber auch deutsche Produktionen als gern gesehene Auszeit vom grauen Corona-Alltag angenommen. Bei denjenigen, die durch Corona in Kurzarbeit sind oder gar arbeitslos geworden sind, kommt den Reportagen eine vergleichsweise hohe Bedeutung zu. Info-Magazine am Tag dienen als Strukturgeber, Reportagen am Abend bringen auf andere Gedanken.

Weitere Studienergebnisse zeigen, dass vielen im März 2021 eine langfristige Perspektive in der Corona-Situation fehlt. Die Belastung durch die ständige Ungewissheit zeigt Auswirkungen: Nach dem Winter voller Einschränkungen spüren viele Befragte eine erhöhte Belastung, vor allem die Generation Z (40 Prozent) und Kinderbetreuende (46 Prozent) erleben zunehmend Stress im Alltag (insgesamt: 25 Prozent). Gleichzeitig wächst die Sorge um die eigene finanzielle Situation bei denen, die beruflich durch die Krise eingeschränkt sind (63 Prozent; insgesamt: 31 Prozent), sowie die Sorge um die generelle Auswirkung auf die Wirtschaft bei denen, die die Eindämmungsmaßnahmen generell in Frage stellen (80 Prozent, insgesamt: 64 Prozent). Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt (insgesamt: 53 Prozent) sowie um das eigene soziale Umfeld (43 Prozent) zeigen sich in unterschiedlichen Ausprägungen in allen Zielgruppen. Insgesamt 61 Prozent befürchten eine zunehmende Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft in Deutschland.

Für die Studie wurden 1000 Personen zwischen 14 und 70 Jahren vom 5. bis zum 12. März 2021 repräsentativ online befragt. Es ist die siebte Welle der Befragung. Erstmals hatte das ZDF im März 2020 eine Umfrage zur Mediennutzung in Corona-Zeiten durchgeführt. Um die Multidimensionalität der Krise besser zu verstehen, wurden zusätzlich mit fünf Zielgruppen im März 2021 vertiefend qualitative Online-Communities durchgeführt.

Die Ergebnisse der Studie in der Übersicht (PDF): kurz.zdf.de/corostud/

Methode und Zielgruppenbeschreibung (PDF): kurz.zdf.de/coromet/

Kontakt: Presse-Desk, Telefon: 06131 – 70-12108, [email protected]

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Quelle: ots

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