Radio Bremen-Reportage „Rabiat: Jugend für’n Arsch“ am 18. Oktober im Ersten

Bremen (ots) –

Erinnerung

Radio Bremen im Ersten

Montag, 18. Oktober 2021, 22:50 Uhr

Rabiat: Jugend für’n Arsch

Ein Radio Bremen-Film von Alina Schulz

In Köln muss die Polizei eine Open-Air-Party mit 1.000 Teilnehmern auflösen, auf der Neckarwiese in Heidelberg schmeißt ein betrunkener 18-Jähriger einen E-Scooter durch die Scheibe eines Testzentrums, am Bremer Osterdeich feiern Hunderte Jugendliche dicht an dicht fast jede Nacht, in Karlsruhe werden Polizei und Rettungskräfte mit Flaschen beworfen, als eine illegale Versammlung aufgelöst wird – gerade wird viel von jugendlichen Exzessen, Ausbrüchen, Eskalationen berichtet. In „Rabiat: Jugend für’n Arsch“ reist Rabiat-Reporterin Alina Schulz durch den Sommer 2021 in Deutschland, in dem die Pandemie vor allem für junge Menschen noch immer nicht vorbei ist. Sie begegnet Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Augenhöhe und taucht in ihren Alltag ein. Das Erste zeigt „Rabiat: Jugend für’n Arsch“ am Montag, 18. Oktober, 22:50 Uhr. Bereits jetzt ist die Produktion in der ARD Mediathek abrufbar.

Klar ist: Junge Menschen haben offenbar keinen Bock mehr auf Verzicht statt Freiheit. Aber ist es richtig, sie angesichts solcher Bilder als Chaoten und als unverantwortlich zu betiteln? Als die, die dafür sorgen, dass die Pandemie kein Ende nimmt? Rabiat-Reporterin Alina Schulz findet: Wer das tut, macht es sich zu einfach. Denn was, wenn man versucht, sich in ihre Lage hineinzuversetzen? Sie als 29-Jährige mit festem Job, festem Freund und geräumiger Wohnung mit Balkon hat die Pandemie im Großen und Ganzen gut durchgestanden – und sich anfangs auch über randalierende Jugendliche aufgeregt. Doch dann stellt sie sich die Frage, was gewesen wäre, wenn sie diese Pandemie vor zehn Jahren, mit 19 getroffen hätte und vergleicht ihre Lebensrealität mit der Lebensrealität junger Menschen heute. Und dieser Vergleich ist ziemlich ernüchternd: keine Abschlussfeier, kein Backpacking in Asien, keine Erstsemester-Partys, keine Präsenz-Uni, keine neuen Menschen kennenlernen.

Studien belegen die Verbreitung von Depression, Schlaflosigkeit, Magersucht und Selbstverletzung. Die Plätze in den Kinder-und Jugendpsychiatrien sind voll, beim Kinder-und Jugendtherapeuten müssen viele lange auf einen Therapieplatz warten. „Rabiat: Jugend für’n Arsch“ trifft die 14-jährige Kyra auf der Psychosomatischen Station für Kinder-und Jugendliche im Klinikum Nürnberg. Bei Kyra hat sich während der Pandemie eine Magersucht entwickelt. „Im Lockdown hat man auf einmal noch mehr am Handy gesessen und hat gesehen, wie die Leute auf Instagram aussehen und dachte sich: Vielleicht schaffe ich das auch in der Zeit. Aber Sport zu machen und gesund zu essen hat nicht gereicht, also habe ich einfach weniger gegessen. Durch Corona hat man viel Kontrolle verloren – und das war das einzige, wo man eben Kontrolle hatte“, sagt Kyra.

„Bei den chronischen psychischen Erkrankungen hat Corona einiges angeschoben. Wir erleben aber auch viele akute Fälle wie zum Beispiel Anpassungsstörungen, wo wir sagen können: Das wurde durch die Pandemie ausgelöst. Und wir erleben viele junge Leute, denen es sehr schlecht geht“, sagt der Chefarzt der Bremer Klinik für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Dr. Marc Dupont. Bei vielen herrscht statt hemmungsloser Partylaune eher gedämpfte Stimmung und Verunsicherung darüber, wie ihr Leben weitergehen kann.

Rabiat-Reporterin Alina Schulz begleitet die 18. Geburtstagsparty von Isabel aus dem Ruhrgebiet. Statt großer Feier mit 100 Leuten darf Isabel deutlich weniger Freunde zu sich nach Hause einladen. Kleine Garagen-Party statt großer Eskalation.

Und sie spricht mit Studierenden darüber, wie es ist, die prägenden ersten Semester fast ausschließlich allein in einem 13-Quadratmeter-Zimmer im Studentenwohnheim zu verbringen

„Es ist schon sehr frustrierend. Klar, einige Dinge kann man nachholen, wenn die Situation sich entspannt, aber einige Erfahrungen eben nicht. Und ich glaube, dass das auch bleiben wird. Manche Erfahrungen sind einfach verloren und ich glaube, das ist eine Sache, die lange mit uns bleiben wird. Dass wir nicht mehr wissen, wie wir mit ´ner großen Gruppe umgehen sollen oder dass wir nicht wissen, wie das ist, in ´nem vollen Hörsaal zu sitzen. Die vergangenen anderthalb Jahre waren echt die schlimmste Zeit in meinem Leben“, resümiert die 19-jährige Jura-Studentin Despina aus Heidelberg.

Auch die 16-jährige Schülerin Mima aus Köln erlebt, wie wichtig gerade jetzt die Jugendarbeit für viele junge Menschen ist. In einem Rap-Workshop im Jugendzentrum bringt Mima ihre Gefühle und Erfahrungen über die Pandemie-Zeit in einem eigenen Song zum Ausdruck. „Viel zu lange eingesperrt, diese Zeit war schwer, ich fühlte deinen Schmerz. Nachrichtensender berichten den ganzen Tag, das RKI hat die neuen Zahlen angesagt. Vielleicht fehlte es dir auch an Phantasie, um gestärkt rauszukommen, aus dieser Pandemie“, heißt es in einer Strophe in Mimas Song.

Alina Schulz trifft junge Menschen, die dafür demonstrieren, wieder in Gruppen mit Musikboxen in öffentlichen Parks chillen zu dürfen und spricht mit Schülerinnen und Schülern darüber, wie es ihnen gerade psychisch geht, warum sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen und warum viele sich so fühlen, als sei die wichtige Zeit des Erwachsenwerdens, ihre Jugend in der Pandemie „für´n Arsch.“

Stabliste:

Buch/Regie: Alina Schulz

Kamera: Florian Linke, Tarik Bourhaleb

Ton: David Haarhaus, Jannik Steinmeyer

Schnitt: Danny Breuke

Produktionsleitung: Leonardo Re, Michael Kappler

Producer: Manuel Möglich, Christian Tipke

Redaktion: Michaela Herold (Radio Bremen)

Leitung: Thomas von Bötticher (Radio Bremen)

„Rabiat: Jugend für’n Arsch“ ist eine Produktion der Sendefähig GmbH (Manuel Möglich, Dennis Leiffels und Christian Tipke) im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste 2021

„Rabiat“

Das junge Reportageformat von Radio Bremen, in dem Journalistinnen und Journalisten mit Haltung kontroverse Themen der Zeit und der Gesellschaft beleuchten, ist die Erweiterung des „Y-Kollektivs“ ins Fernsehen. Das „Y-Kollektiv“ ist eine Gruppe junger Journalistinnen und Journalisten, dass sich eine große Fangemeinde aufgebaut hat – mit aktuell über 969.000 Abonnenten bei YouTube (https://www.youtube.com/channel/UCLoWcRy-ZjA-Erh0p_VDLjQ) und über 241 Millionen Aufrufen insgesamt. Redaktionell betreut wird das funk-Format „Y-Kollektiv“ vom Programmbereich Junge Angebote bei Radio Bremen, der sich auf die Entwicklung junger, crossmedialer Angebote für die ARD konzentriert. Vor und nach den Fernseh-Reportagen wird auf den Kanälen des „Y-Kollektivs“ (YouTube (https://www.youtube.com/channel/UCLoWcRy-ZjA-Erh0p_VDLjQ), Facebook (https://www.facebook.com/YKollektiv/), Twitter (https://twitter.com/y_kollektiv/), Instagram (https://www.instagram.com/y_kollektiv/)) diskutiert. In den Social-Media-Kanälen führen die Autorinnen und Autoren persönliche Debatten, berichten transparent über ihre Arbeit und Recherche. Den Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer im Fernsehen stellen sie sich in Q&As oder in den Kommentarspalten.

Fotos sind unter ARD Foto (http://www.ard-foto.de/) abrufbar.

Pressekontakt:
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Diepenau 10
28195 Bremen
0421-246.41050
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Quelle: ots

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