Kulturelle Bildung: eine politische Gestaltungsaufgabe auch für den Bund / Nach der Bildungs- und Jugendpolitik gibt Expertenrat abschließend Empfehlungen für die Kulturpolitik

Essen (ots) –

Der Bund steht aus Sicht des unabhängigen Expertengremiums Rat für Kulturelle Bildung in der Verantwortung, deutschlandweit Impulse und Standards für Kulturelle Bildung zu setzen. Als Gemeinschaftsaufgabe mit den Ländern und Kommunen gilt es, Kulturelle Bildung ressortübergreifend zu denken und Kulturelle Bildung in allen Förderprogrammen der Öffentlichen Hand für Kultureinrichtungen und Schulen fest zu verankern.

Der Vorsitzende des Expertenrates Prof. Dr. Eckart Liebau, betont: „Es gibt jetzt das Momentum einer politischen Neuausrichtung, deren erste Prioritäten die Transformation von Gesellschaft in Bezug auf Digitalisierung, Klimawandel und vor allem auch Bildung sein wird. Kulturelle Bildung kann dazu einen wesentlichen Teil beitragen. Kultureinrichtungen und Kulturakteure können mit umfassenden Bildungskonzepten gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Kulturelle Bildung selbst kann ein Hebel sein, um die Kulturinfrastruktur zukunftssicher zu transformieren. Deshalb muss Kulturelle Bildung eine ressortübergreifende politische Bedeutung erhalten, und selbstverständlich auch in allen Kulturförderungen als zwingendes Kriterium berücksichtigt werden.“

In seiner kulturpolitischen Handreichung empfiehlt das Expertengremium der Kulturpolitik und -verwaltung, im Wesentlichen drei Handlungsfelder in den Blick zu nehmen: Kultureinrichtungen in ihrem Profil Kultureller Bildung zu stärken, den digitalen Wandel kulturpolitisch zu begleiten, sowie kommunale Bildungslandschaften mit Kultureinrichtungen, Künstlerinnen und Kulturpädagogen im Zusammenspiel mit dem Bildungsbereich, vor allem Schulen, stärker zu unterstützen.

Das Potenzial von Kultureinrichtungen als Orte der Teilhabe nutzen

Kultureinrichtungen ermöglichen die direkte Begegnung mit kulturellen Ausdrucksformen und genießen eine grundsätzlich hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Dem steht die geringe Nutzung von Kulturangeboten durch die Gesamtbevölkerung gegenüber. Der Expertenrat plädiert für eine Verankerung der Vermittlungsperspektive auf Leitungsebene von Kultureinrichtungen. Ein ausgewiesenes Budget für Kulturelle Bildung in jeder Kultureinrichtung muss einen signifikanten Teil ihres Gesamthaushaltes ausmachen. Zudem müssen Kunst- und Musikhochschulen in jedem ihrer Ausbildungsstränge Schwerpunkte mit Vermittlungsexpertise setzen.

Den digitalen Wandel kulturpolitisch begleiten

Die Corona-Krise hat im gesamten Kulturbereich einen Digitalisierungsschub ausgelöst, der Chancen für Zugänge zu Kunst und Kultur eröffnet. Damit kulturelle Teilhabe gelingt, braucht es Strategien, die die spezifischen didaktischen Möglichkeiten des Digitalen nutzen. Institutionen und Akteure der Kulturellen Bildung müssen sich selbst stärker in die Moderation und Gestaltung des Kulturwandels einbringen, denn der digitale Wandel erfordert auch ästhetische Kompetenzen. Diese beiden Aufgaben brauchen kulturpolitische Unterstützung weit über coronabedingte Überbrückungsmaßnahmen hinaus: mit Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Digitalisierung, einer entsprechenden Personalausstattung und einer unbürokratischen Förderung technischer Infrastruktur, zum Beispiel mit einem „Digitalpakt Kultur“, der auch eine Qualifizierungsoffensive mit einbezieht.

Kultur in Bildungslandschaften verorten und sichtbar machen

Nach Ansicht des Expertenrates fehlt es an einer flächendeckenden systematischen Verankerung von Kultureinrichtungen, Künstlerinnen und Kulturpädagogen in lokalen Bildungskonzepten. Kommunale Bildungslandschaften schließen neben Schulen Kultureinrichtungen wie Museen, Theater, Bibliotheken ein. Servicestellen, welche die Kompetenzen vor Ort in der Kommune bündeln und Anbieter Kultureller Bildung mit Bildungseinrichtungen gezielt vernetzen, sollten stärker gefördert werden.

Empfehlungen werden auf Fachtag diskutiert

In der Reihe „Auf den Punkt“ wird Kulturelle Bildung – als wichtiger Teil der Bildungslandschaft – als ressortübergreifende Entwicklungsaufgabe für die Kultur-, Jugend-, und Bildungspolitik betrachtet. Für die kulturpolitische Handreichung hat Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, ein Vorwort verfasst. Mit dieser dritten Publikation ist die Reihe abgeschlossen. Zuvor erschienen die bildungspolitische Handreichung „Kulturort Schule“ und die jugendpolitische Handreichung „Kulturraum Kindheit und Jugend“, die jeweils bereichsbezogen Herausforderungen für die Kulturelle Bildung beleuchten.

Die Empfehlungen aus allen drei Handreichungen werden auf einem digitalen Fachtag am 10. November weiter diskutiert. Anmeldung und Informationen (https://www.rat-kulturelle-bildung.de/detail/detail/digitaler-fachtag) zu Workshops und einem öffentlich zugänglichen Livestream unter www. rat-kulturelle-bildung.de.

Über den Rat für Kulturelle Bildung

Der Rat für Kulturelle Bildung ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das sich umfassend mit der Lage und der Qualität Kultureller Bildung in Deutschland befasst. Ihm gehören elf Mitglieder an, die verschiedene Bereiche der Kulturellen Bildung repräsentieren: Tanz- und Theaterpädagogik, Musik- und Literaturvermittlung, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaften, Pädagogik, Medienpädagogik, Politische Bildung, Soziologie, Kulturelle Bildung und die Künste.

Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative der Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Kunst und Natur und der Stiftung Mercator.

Pressebilder: Bildmaterial zum Herunterladen im Newsroom der Website

Podcast: Der Podcast „Kulturelle Bildung im Gespräch“ des Vereins Rat für Kulturelle Bildung bietet eine Vertiefung und Konkretisierung von Positionen zur Kulturellen Bildung. Zur kulturpolitischen Handreichung erscheint die Staffel „Kultureinrichtungen öffnen“ (https://www.youtube.com/watch?v=-5Pv4JNTUdk&t=1s). Hier diskutieren Ratsmitglieder mit den „Critical Friends“ Vera Allmanritter, Amelie Deuflhard, Jagoda Marinic, Albert Schmitt und Apostolos Tsalastras. Abrufbar auf rat-kulturelle-bildung.de, auf dem YouTube-Kanal des Vereins, bei Spotify und Apple Podcasts.

Social Media: Die Geschäftsstelle des Rates für Kulturelle Bildung @RatKuBi kommuniziert auf Twitter zur Handreichung unter den Hashtags #Kulturpolitik, #KulturelleBildung, #RatKuBi.

Zur Publikation

Pressekontakt:
Alexandra Hahn
Telefon: 0201-89 94 35-12 / 0171-1867000
E-Mail: [email protected]
Original-Content von: Rat für Kulturelle Bildung, übermittelt durch news aktuell
Quelle: ots

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Mehr aus dem Blog

SWR Koproduktion „Mein fremdes Land“ gewinnt Baden-Württembergischen Filmpreis

Stuttgart (ots) - Der Baden-Württembergische Filmpreis für den besten Dokumentarfilm der 27. Filmschau Baden-Württemberg geht an die SWR Koproduktion "Mein fremdes Land". Der Film...

Ad omne opus bonum paratus – Zu jedem guten Werk bereit / Über die Aktualität eines mittelalterlichen Ordensgründers

Magdeburg (ots) - Seit dem 8. September 2021 zeigt das Kulturhistorische Museum Magdeburg die Sonderausstellung "Mit Bibel und Spaten. 900 Jahre Prämonstratenser-Orden". Zu den...

„Geld her oder Daten weg!“ – „MAKRO“-Wirtschaftsdoku in 3sat über die Methoden von Hackern

Mainz (ots) - Dienstag, 14. Dezember 2021, 22.25 Uhr Erstausstrahlung In den letzten Jahren wurden deutsche Firmen immer häufiger Opfer von digitaler Erpressung. Tendenz steigend....

„Der Kommissar und das Meer“: letzter Film der ZDF-Reihe

Mainz (ots) - Als auf Gotland die Leiche von Line Anders (Paprika Stehen) aufgefunden wird, gerät ihr Ex-Mann, Kriminalhauptkommissar Robert Anders (Walter Sittler), unter...